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Sie sind grau, unscheinbar und stehen fast an jeder Ecke:
Rund 4000 Elektrokästen gibt es in der Stadt, die alles andere
als Hingucker sind.
Viele von ihnen werden immer wieder zur Zielscheibe illegaler Sprayer.
Die hässlichen Verunzierungen haben jedoch bald ein Ende.
Die Stadt Osnabrück will die schmucklosen Kästen gemeinsam mit
legalen Graffiti-Sprayern im Rahmen eines Wettbewerbes verschönern -
und damit mehr Farbe ins Stadtbild bringen.
"Osnabrück hat was auf dem Kasten" nennt sich der Wettbewerb für Sprayer,
der im Juni in den Jugendzentren WestWerk und Ostbunker startet.
Ab August bringen die ausgewählten Künstler ihre Ideen zum Thema Osnabrück auf die Kästen.
Für Oliver Mix, Geschäftsführer der Osnabrück Marketing und Tourismus GmbH,
ist die Aktion ein wirkungsvoller Beitrag zu mehr Sauberkeit und einem
freundlichen Ambiente in der City.
"Die grauen Kästen fallen einfach vielerorts in der Stadt unangenehm auf.
Sie sind ein optischer Störfaktor. Aus Untersuchungen ist bekannt,
dass die Entscheidung eines Fußgängers für die Stadt im Unterbewusstsein getroffen wird.
Schmuddelig wirkende Straßen verstärken den schlechten Eindruck und vermindern das Sicherheitsgefühl.
Mit den Graffiti-Motiven möchten wir Osnabrück einen neuen Anstrich geben und den zuweilen etwas
tristen Eindruck an manchen Stellen in der City durch Farbe und Kunst auffrischen."
Hinzu kommt, dass die grauen Flächen der Stromkästen geradezu einladend auf viele illegale Sprayer wirken.
"Bevor unansehnliche Motive in Nacht- und Nebelaktionen auf die Kästen kommen,
nutzen wir sie lieber sinnvoll im Rahmen eines Jugendprojektes.
Davon profitieren dann die Jugendlichen ebenso wie die Osnabrücker,
die sich künftig am Anblick originell aussehender Stromkästen erfreuen können", so Mix.
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Durch den Wettbewerb wendet sich die Stadt erstmalig direkt an die legale Sprayerszene.
"Wir gehen einen mutigen Schritt voran. Zum ersten Mal treten wir mit den Sprayern in
einen ernsthaften direkten Dialog und fordern sie auf, ihre Ideen umzusetzen.
In dieser Form hat es das in anderen Städten bislang noch nicht gegeben", sagt der OMT-Geschäftsführer.
Inhaber der grauen Kästen sind die Stadtwerke Osnabrück.
Mit der Idee zu der Aktion stieß die OMT bei den Stadtwerken Osnabrück sofort auf große Zustimmung
und Kooperationsbereitschaft. "Unsere Elektrokästen sichern die Versorgung der Osnabrücker
und sind nicht wegzudenkende Elemente im Stadtbild. Bislang sind sie nur nützlich und nicht schön.
Wir würden uns freuen, wenn sie mit Hilfe der Sprayer bald zu Schmuckstücken der Stadt werden",
erklärt Pia Zimmermann, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei den Stadtwerken Osnabrück.
"Gleichzeitig unterstützen wir damit zielgerichtet das kreative Engagement von Jugendlichen in Osnabrück.
Das allein ist schon Grund genug für eine Kooperation."
Sprayer, die vor Ideen sprühen, können sich ab jetzt an die Jugendzentren WestWerk und Ostbunker wenden.
In dort ausliegenden Flyern und in persönlicher Ansprache werden die zumeist jugendlichen Künstler direkt
aufgefordert, ihre Ideenskizzen einzureichen. Die Motive sollen sich mit verschiedenen Themen in Osnabrück
auseinandersetzen. So kann der Graffiti-Künstler je nach Interesse Skizzen aus den Bereichen Musik,
Sport, Schule oder anderes einreichen. Eine unabhängige Jury mit Sprayern aus der Szene wählt
die besten Motive aus, die die Gewinner des Wettbewerbes anschließend auf die Kästen bringen dürfen.
Statt wilder Schmierereien illegaler Sprayer sollen ab August
außergewöhnliche Motive aufgesprüht werden.
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"Graffiti ist nach wie vor ein Problem. Wenn schon gesprüht wird, dann legal.
Je mehr Präventionsmaßnahmen wir anbieten können, desto besser", sagt Thomas Beiermann.
Der Mitarbeiter des Jugendzentrums WestWerk ist nicht nur auf das künstlerische Ergebnis gespannt,
sondern auch auf die Beteiligung: "Es gibt kaum noch legale Angebote für Sprayer.
Wir würden uns freuen, wenn die Leute mit dem illegalen Sprühen aufhören.
Wir haben in den Zentren noch Kontakt zu einigen Leuten in der Szene. Ich bin selbst gespannt,
wie viel und welche Altersgruppen dabei sein werden. Der Anreiz, sich auf den Elektrokästen zu verewigen,
ist sicher groß."
Soner Gelöz ist einer der erfahrenen Sprayer in der Wettbewerbs-Jury, die das farbenprächtige
Werk der Teilnehmer begutachten und beurteilen sollen. Vor acht Jahren hat der 25-Jährige mit dem
Sprühen begonnen und sich inzwischen als legaler Graffiti-Künstler deutschlandweit einen Namen gemacht.
Auf Einladung von amerikanischen Graffiti-Künstlern hat er in diesem Jahr schon den Venice Beach in
Los Angeles mit seinem Schriftzug und seiner typischen Figur, dem Character, verschönert.
Der Schüler der Fachoberschule Gestaltung rechnet fest damit, dass sich viele Sprayer
mit ihren Ideen beteiligen. "Viele haben bestimmt Lust, ein gutes Bild für Osnabrück abzugeben.
Außerdem sehen dann vielleicht manche Firmen oder Privatleute, wie kunstvoll die Motive sind
und vergeben einen offiziellen Auftrag an den Sprayer."
Dass die Osnabrück-Motive auf den Kästen anschließend von illegalen Sprayern übergesprüht werden,
glaubt Soner Gelöz nicht. "Das ist nicht im Sinne der Sprayer. Jeder in der Szene weiß,
wie viel Arbeit der Sprayer investiert hat. Das Motiv auf dem Kasten ist die Belohnung."
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